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Zeitalter der Dampflok endet

Mit Beginn des Sommerfahrplans wurden bei der Bundesbahn keine Dampfloks mehr im Personenverkehr eingesetzt. Ich kann mich nicht daran erinnern, als Kind noch eine Dampflok im regulären Betrieb gesehen zu haben, obwohl wir häufig in der Nähe der Gleise spielten.

Regelmäßig wurden Nostalgiefahrten angeboten, da das Ende des Dampflokzeitalters schon lange absehbar war. Zum Fotografieren oder Mitreisen führten diese Fahrten ins Sauerland oder quer durchs Ruhrgebiet. Die Züge hielten dabei nicht nur am Hauptbahnhof, sondern machten auch Station in Brackel, Eving und Bövinghausen. In den Jahren von 1970 bis 1975 verringerte sich die Zahl der Dampflokomotiven in der Bundesrepublik von 1.600 auf 256. Im selben Jahr waren es schließlich nur noch 150. Mit dem Fahrplanwechsel im Sommer wurden Dampflokomotiven im Personenverkehr der Bundesbahn endgültig aus dem Einsatz genommen. Lediglich im Güterverkehr sollten bis September noch 30 Dampflokomotiven zwischen Rheine und Emden verkehren.

Als scheinbar unendlicher Abenteuerspielplatz für Kinder bot sich das ehemalige Gelände der Zeche Germania an. Im Norden des neu erschlossenen Gewerbegebiets verläuft bis heute die Emschertal-Bahn. Viele der alten Gleise, die früher zum Abtransport der Kohle dienten, waren noch erhalten. Die zahlreichen Weichen konnten von Hand verstellt werden, was für Kinder allerdings nur zu zweit möglich war.

Später entdeckten wir die Böschung entlang der stark befahrenen Eisenbahnstrecke zwischen Dortmund und Bochum, an der heute der Haltepunkt Marten-Süd der S4 liegt. Als Kinder konnten wir uns gut im dichten Grün der vielen Zweige verstecken, ohne von Erwachsenen entdeckt zu werden. Zu unserer Überraschung wurde dort sogar einmal ein Mofa versteckt. Richtig damit umgehen konnten wir zwar nicht, doch es beflügelte unsere Fantasie und ließ uns überlegen, was man damit alles anstellen könnte.

Bei den vielen vorbeifahrenden Zügen kann ich mich nicht an eine Dampflok erinnern, wohl aber an den TEE, der von Dortmund nach Paris fuhr. Wir lauschten stets aufmerksam, ob ein Zug kam, bevor wir aus dem Gebüsch auf die Gleise kletterten. Wenn ich heute daran denke, dass wir sogar unser Ohr auf die Schienen legten, um einen herannahenden Zug zu hören, wird mir ganz schön mulmig.

Ruhr-Nachrichen 08.10.1976 Nr. 229 DO1 Westfälische Allgemeine Zeitung 16.05.1977 Nr. 113