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Lebenslang für Kirmesmörder

Bereits im Jahr zuvor hatte der Täter ein zehnjähriges Mädchen vergewaltigt und getötet. Er hatte ihr versprochen, gemeinsam zur Pflaumenkirmes zu gehen, nutzte jedoch ihr Vertrauen aus. Meine Mutter nahm dies zum Anlass, mich zu warnen, niemals mit fremden Menschen mitzugehen. Und dann wurde ich auch noch auf dem Weg zur Kirmes von einem fremden Mann angesprochen.

Bis heute glaubte ich, die Geschichte meiner Mutter sei erfunden. Mit einfachen, aber eindringlichen Worten wollte sie mich davor warnen, nicht mit fremden Menschen mitzugehen. Sie erzählte, wie ein unbekannter Mann ein Kind ansprach und fragte, ob es mit ihm zur Pflaumenkirmes gehen wolle – und welches Kind hätte das nicht gewollt? Tatsächlich kannten sich das Opfer und der Täter bereits, da er Kirmespferde betreute und sie eine große Leidenschaft für Pferde hatte. Laut den Schilderungen meiner Mutter wurde das Kind später tot im Stroh aufgefunden. Tatsächlich war es jedoch unter großen Rhabarberblättern versteckt und konnte nur durch Hinweise des Täters entdeckt werden.

Es war wieder Pflaumenkirmes in Lütgendortmund. Wir parkten das Auto in der Westermannstraße, und nach wenigen Metern zu Fuß erreichten wir fast den Rummelplatz. Da ich den Weg bereits kannte, ging ich hocherfreut einige Meter voraus, um den Kirmestrubel zu erreichen. Plötzlich kam ein Mann auf mich zu, streckte seine Hand aus und fragte, ob ich mit ihm auf die Kirmes gehen wolle. Mit der Geschichte vom getöteten Kind im Hinterkopf rannte ich sofort zu meinen Eltern zurück und klammerte mich fest an sie. Mein Herz pochte heftig, und an diesem Tag wich ich ihnen nicht mehr von der Seite. Wie gesagt: Bis heute glaubte ich, dass der Mord an dem Kind nur eine erfundene Geschichte war, um mich vor fremden Menschen zu warnen. Jetzt weiß ich, dass diese Erzählung auf Tatsachen beruht.

Ruhr-Nachrichten 31.08.1976 Nr. 196 DO1 Ruhr-Nachrichten 12.05.1977 Nr. 110 DO3