Start des Vekehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR)
Am Neujahrstag startete der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) offiziell – und als Geschenk konnten man am 1. Januar kostenlos mit Bus und Bahn im Verbundraum fahren. Eine geniale Idee, denn mit einem Kater von der letzten Nacht denken nur wenige Menschen daran, neugierig mit Bus oder Bahn durch die Gegend zu fahren. Vor dem VRR fand ich auch eine Lösung, um kostenlos mit dem Bus zu fahren.
Mein erster Kontakt mit dem VRR war ein Informationsbus, der eines Tages in Dortmund-Marten auf dem ehemaligen Schulhof der Wilhelm-Schule, an der Ecke Wischlinger Weg und Martener Straße, stand. Dort lagen zahlreiche Broschüren und Informationsmaterialien zur Neugestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Rhein-Ruhr-Gebiet aus. Eine Zeit lang wurde das Projekt sogar „Verkehrsverbund Rhein-Ruhr-Wupper“ genannt.
Bereits in den Jahren zuvor hatten die Verkehrsbetriebe in und um Essen ihre Fahrpläne und Fahrpreise aufeinander abgestimmt. In Dortmund hingegen wartete man bis zum Jahreswechsel 1979/80, da eine Vereinheitlichung für die meisten Dortmunder mit Fahrpreiserhöhungen verbunden gewesen wäre.
Im Vorfeld gab es in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens, darunter auch Dortmund, Bestrebungen, die Geschäftsstelle des VRR in die eigene Stadt zu verlegen – schließlich waren dadurch zahlreiche Arbeitsplätze zu erwarten. Letztendlich wurde es Gelsenkirchen. Zudem verzögerte sich der Start des VRR um fast zwei Jahre, da das Problem der Einnahmenverteilung zwischen den Städten und Kreisen sowie die Mindereinnahmen des Landes noch nicht geklärt waren.
Damals begann der VRR damit, an jeder Haltestelle Informationstafeln anzubringen. Diese zeigten die aktuelle Wabe in Gelb auf grünem Grund sowie die Fahrtkosten an. Anfangs galt die Einschränkung, dass die maximale Entfernung 50 Kilometer nicht überschreiten durfte – für längere Strecken war ein neues Ticket erforderlich. Eine Vereinfachung gab es für Kinder: In den Städten war das Alter, bis zu dem man eine Kinderfahrkarte kaufen konnte, bisher unterschiedlich. Es lag entweder bei 10, 12 oder 14 Jahren. Im VRR-Gebiet galt grundsätzlich ein Alter von 14 Jahren. Den Übergang, etwa nach Unna, regelte man gemütlich erst zwei Monate später.
Bevor der VRR eingeführt wurde, entdeckte ich einmal eine sogenannte Streifenkarte. Gemeinsam mit meinem Cousin stiegen wir mit diesem Ticket einfach in einen Bus ein, um unsere Tante in Lütgendortmund zu besuchen – wie eine Streifenkarte genau funktionierte, weiß ich allerdings bis heute nicht. Aber in dem Alter war mir auch nicht bewusst, dass man einen COOP-Laden mit der Ware ausschließlich an der Kasse verlässt – aber das ist eine andere Geschichte. Ohne Kontrolle oder eine Ansprache durch den Fahrer fuhren wir von Marten bis zum Bahnhof Lütgendortmund (heute Germania). Dann bemerkte ich, dass der Bus nicht weiter nach Lütgendortmund, sondern in Richtung Oespel fuhr – einen Ort, den ich zu der Zeit nicht kannte. Deshalb stiegen wir schnell an der nächsten Haltestelle aus und liefen den gesamten Weg zu Fuß bis nach Marten zurück.
Beim Start des VRR ging man übrigens noch davon aus, dass sich dieser Verbundraum nicht vergrößern würde und Fahrkarten weiterhin hauptsächlich beim Fahrer gekauft werden.
Die erste Preiserhöhung erfolgte bereits im nächsten Jahr. Daraufhin druckte eine Protestgruppe gefälschte Tickets und verteilte diese in der Region in die Briefkästen der Haushalte – sehr zum Ärgernis des VRR.
Ruhr-Nachrichten 01.04.1977 Nr. 77 Ruhr-Nachrichten 16.03.1978 Nr. 64 DO1 Ruhr-Nachrichten 25.10.1979 Nr. 249 DO1 Ruhr-Nachrichten 23.11.1979 Nr. 272 M6 Westfälische Allgemeine Zeitung 01.04.1981 Nr. 77