Damals war mehr Winter
Auch wenn Meteorologen anderes behaupten, haben wir Kinder von damals allen Grund zu glauben, dass es früher mehr Winter gab.
In den Wintermonaten blickte ich jeden Morgen zuerst aus dem Fenster unseres Kinderzimmers, um zu sehen, ob sich auf der Mauer gegenüber Schnee angesammelt hatte. Als dann am Silvesterwochenende die ersten Schneeflocken in der Stadt fielen, ahnte noch niemand, dass Schnee und Eis fast vier Wochen lang den Alltag bestimmen würden. Über den Jahreswechsel waren ständig Schneepflüge und Räumfahrzeuge im Einsatz. Die Feuerwehr wurde mehrfach wegen Wasserrohrbrüchen alarmiert. Was heute kaum noch bedacht wird: Früher gab es in vielen Wohnungen noch Kohleöfen, die durch Überhitzung häufig Zimmerbrände verursachten.
In den folgenden Tagen und Wochen wechselten sich Neuschnee und Glatteis ständig ab, sodass in Dortmund über einen längeren Zeitraum gute Wintersportbedingungen herrschten. Unter der Schneelast brachen viele Äste von den Bäumen. Für uns war kein Hang zu flach und kein Weg zu weit, um rodeln zu gehen: Bis zum Revierpark Wischlingen zogen wir unsere Schlitten, um von den Hängen der neu gestalteten Parklandschaft hinabzugleiten. Am 10. Januar gab es in ganz Nordrhein-Westfalen schulfrei – außer für die Dortmunder Schülerinnen und Schüler: Der Stadtdirektor erhielt das Schreiben des Kultusministers erst nach acht Uhr morgens, während wir alle längst in der Schule saßen.
Doch selbst Schnee kann mit der Zeit langweilig werden: Die Züge ins Sauerland, die in den Wintermonaten jedes Wochenende von Mengede, dem Hauptbahnhof und Hörde in die verschneite Region fuhren, wurden bereits vor Saisonende eingestellt, da kaum noch Fahrgäste mitfuhren.
Ein weiterer bemerkenswerter Wintereinbruch ereignete sich Anfang November 1980. Die Meteorologen wagten damals keine Prognose für diese Schneemengen, da solche Ausmaße in dieser Region und zu dieser Jahreszeit bisher als völlig undenkbar galten.
Abschließend muss jedoch ehrlich gesagt werden, dass es in den Jahren davor nur wenige Schneetage gab und Schneeflocken eher selten waren. Daher ist davon auszugehen, dass die Statistik der Meteorologen doch zutreffend ist.
Ruhr-Nachrichten 02.01.1979 Nr. 1 DO1 Ruhr-Nachrichten 10.01.1979 Nr. 8 Ruhr-Nachrichten 03.03.1979 Nr. 53 Westfälische Allgemeine Zeitung 08.11.1980 Nr. 261